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Nachrichten des „Schulvereins“ aus Nord-Ostpreußen Nr. 1/2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

wieder einmal ist es kurz vor Weihnachten. Die Zeit der Besinnung und der Freude. Wir freuen uns auf das neue Jahr und lassen das Jahr 2021 Revue passieren. Es war ein schweres Jahr, verbunden mit vielen Einschränkungen. Wieder mußte unsere „Deutsche Schule Trakehnen“ zeitweise wegen der Corona-Auflagen schließen. Natürlich haben wir so gut es ging weitergemacht und auch einige Male auf der Schulwiese mit Riesenabstand Unterricht angeboten. Es ist unsere selbstgestellte Aufgabe, für unsere Schüler in Trakehnen die deutsche Kultur und Sprache zu erhalten. Zudem möchten wir den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Alternative zu dem heute üblichen Nebeneinanderherleben bieten, indem wir trotz und gerade wegen Corona die familiäre Gemeinschaft und die Schulgemeinschaft aufrechterhalten. Doch lassen wir nun unsere Schulleiterin Rita Mantei selbst zu Wort kommen:

„Die Zeit vergeht wie im Fluge. Das neue Schuljahr hatte doch gerade erst begonnen, und nun ist es schon wieder Zeit, den Tannenbaum zu schmücken. In dieser Vorweihnachtszeit helfen uns vor allem die Hoffnung und die Vorfreude. Die Vorfreude darauf, daß hoffentlich im nächsten Jahr die großen Jahreszeitenfeste wieder wie gewohnt gefeiert werden dürfen und die Hoffnung auf das kleine Wunder, auf den neuen Anfang, – darauf, daß das letzte Blatt des Kalenders umgeschlagen wird und danach alles weitergeht, wie es sich gehört. Nur im Dezember glauben wir wirklich daran, daß sich alles zum Besseren verändert.

In der Vorweihnachtszeit ist es in diesem Jahr in unserer ‚Deutschen Schule’ endlich wieder lebhaft. Es herrscht ein geschäftiges Treiben wie in einem Bienenstock. Wir haben zusammen angefangen ein Drehbuch für unsere Weihnachtsaufführung zu schreiben. Es wurden Rollen verteilt, Kostüme genäht, eine Kulisse gebaut, Dekorationen organisiert, Gedichte auswendig gelernt, Lieder gesungen, geprobt usw. Endlich mal wieder etwas zusammen vorbereiten. Ein Segen! Ob wir das geplante Fest wirklich durchführen dürfen, wissen wir noch nicht, aber wenn nicht jetzt, dann halt im nächsten Frühjahr. Wir hoffen weiter und machen das Beste aus allem!

Zur Zeit unterrichte ich drei Gruppen Deutsch. Einmal die Erwachsenen und älteren Jugendlichen, als zweites die Kinder der Mittelstufe und dann die kleinen Grundschulkinder.

Die meisten meiner Schüler kommen schon seit mehreren Jahren und können inzwischen schon fast fließend Deutsch verstehen. Einen großen Teil der Stunde lernen wir Rechtschreibung und Grammatik, denn ich bin der Meinung, daß es unmöglich ist, ohne Grammatikkenntnisse eine Fremdsprache zu erlernen. Je mehr Übungen wir machen, desto besser. Die Schüler haben Spaß an den Übungen, die ich versuche, abwechslungsreich zu gestalten. Beim Grammatikunterricht erkläre ich den Schülern die Unterschiede zwischen der deutschen und der russischen Sprache. Indem wir die Analogien und die Unterschiede in beiden Sprachen verstehen, gelingt es uns schneller, die Schwierigkeiten zu überwinden. Wir lesen auch Texte vor und machen Übersetzungen aus dem Deutschen ins Russische und umgekehrt. Aber es bleibt ein Problem: Wir alle sollten mehr mit deutschen Muttersprachlern sprechen. Die Schüler haben aus Angst, verspottet zu werden, Hemmungen, untereinander frei Deutsch zu sprechen.

Bei den kleinen Kindern ist das noch nicht so. Die plappern mir einfach alles nach und denken sich oft nichts dabei. Ich lerne mit ihnen das deutsche Alphabet und stelle es dem russischen gegenüber. Ich übe mit ihnen die richtige Aussprache der deutschen Worte. Die Vorbereitung auf den Unterricht nimmt viel Zeit in Anspruch.

Besonders stolz bin ich darauf, daß ich bei einem Elternabend der kleinen Kinder den Eltern vermitteln konnte, wie wichtig es ist, daß die Eltern mit ihren Kindern möglichst täglich die deutschen Vokabeln üben und ihnen abends deutsche Kinderbücher vorlesen. Also werden wir zukünftig weitere Eltern im Deutschunterricht haben, die bisher noch nicht da waren.

Die Bücher können sich die Schüler aus unserer Bibliothek ausleihen und wenn alles klappt, wird in den Familien wieder ein wenig mehr deutsch gesprochen. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen können wir gute Ergebnisse erreichen. Und nur, wenn die Kinder Erfolge im Lernen haben, entwickelt sich ein Interesse zum Erlernen und Verfestigen der deutschen Sprache, das auch über das schwierige Alter der Pubertät hinaus anhält.

Deutschunterricht der Jugendlichen
Deutschunterricht der Jugendlichen

Soweit ein kleiner Einblick in unser Leben und Tun. Nun habe ich noch einen kleinen Tipp für Sie alle: Schenken Sie in dieser schweren Zeit anderen Menschen Freude. Das müssen keine großen Geschenke sein, kleine Gesten oder ein Lächeln reichen oft schon. Damit lassen Sie jede Umgebung freundlicher werden, Dinge werden leichter, Freundschaften kräftiger, Liebe stärker. Seien Sie Ihre eigene Freude – und natürlich das Wichtigste – bleiben Sie gesund! Wir senden Ihnen beste Glückwünsche zu Weihnachten aus Nord-Ostpreußen!“

Wie Sie sehen, ist unser kleines Dorf im nördlichen Ostpreußen trotz aller Widrigkeiten eine Hochburg der deutschen Sprache und Kultur im russischen Umfeld. Danke Ihnen, liebe Frau Mantei und dem ganzen Lehrerkollegium für Ihren unermüdlichen Einsatz!

Gartenbau konnte trotz der Corona-Auflagen stattfinden
Ein paar wenige öffentliche Auftritte unserer Volkstanzgruppe konnten auch in diesem Jahr stattfinden

Unser Schulverein braucht auch weiterhin Unterstützung unserer Freunde und Förderer: Es müssen neue Materialien besorgt werden, neue technische Anschaffungen werden nötig. Auch die behördlichen Corona-Auflagen kosten zusätzliches Geld. Bitte unterstützen Sie mit Ihrer „Weihnachtsspende“ unser Vorhaben, damit Frau Mantei und ihre Helfer ihre segensreiche Arbeit in Trakehnen fortsetzen und ausbauen können. Helfen Sie mit, unsere „Deutsche Schule Trakehnen“ dauerhaft zu stärken. Dafür danke ich Ihnen bereits im Voraus ganz herzlich!

Hurra! Alles hat prima geklappt. Hier gibt es kleine Geschenke als Dank für die gute Mitarbeit

Auch wir, Mitarbeiter, Freunde und Förderer des „Schulvereins“ in der Bundesrepublik Deutschland, haben uns immer als eine große Gemeinschaft, eine Familie bezeichnet. Unsere Tagungen sind unsere „Familientreffen“. Solch ein großes „Familientreffen“ unserer ostpreußischen und bundesdeutschen Großfamilie wollen wir hoffentlich im nächsten Jahr gerne wieder möglich machen. Da Sie dieses Rundschreiben jetzt von uns erhalten haben, sind Sie sicher in unserem Postverteiler. Wir werden Sie also rechtzeitig vorher informieren, sobald ein Termin feststeht und hoffen, Sie alle gesund und munter wiederzusehen!

Der Winter hält Einzug in Trakehnen

Ich und mit mir alle Mitarbeiter unseres „Schulvereins“ schließen uns den Worten von Frau Mantei an und wünschen Ihnen eine friedliche und besinnliche Vorweihnachtszeit und ein schönes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben!

Ihr Nils Klatt
Nils Klatt, 1. Vorsitzender des „Schulvereins“

Den „Schulverein“ im Testament bedenken

Seit 1992 ist unser „Schulverein“ nun schon im nördlichen Ostpreußen tätig und hat dabei geholfen, unseren rußlanddeutschen Landsleuten eine neue Heimat und unserem geliebten Ostpreußen ein Stück seines deutschen Gesichtes zurückzugeben.

Viele treue Mitarbeiter und Unterstützer haben in dieser langen Zeit unsere irdische Welt verlassen. Erfahren haben wir davon meist nur dadurch, daß unsere Rundschreiben mit dem kalten postalischen Vermerk „Empfänger verstorben“ an uns zurückkamen. Viele waren darunter, deren Herz wirklich stark für unsere kleine deutsche Schule im fernen Ostpreußen schlug. Doch vergeblich warteten wir auf ein letztes Zeichen dieser guten Freunde. Oft haben wir uns gefragt, wie es sein kann, daß Menschen unsere Arbeit viele Jahre lang treu mit Spenden unterstützt haben und uns dann bei einer testamentarischen Verfügung völlig vergessen haben? Die Antwort darauf ist eine Frage: Wer denkt schon gerne an den eigenen Tod? Deshalb verfassen die meisten Menschen gar kein Testament. Und da der Tod so gnädig ist, daß er meist überraschend kommt, bleibt der tatsächliche letzte Wille unerfüllt, wenn man ihn nicht rechtzeitig für die Nachwelt aufschreibt.

Ohne öffentliche Mittel ist unser „Schulverein“ allein auf die tätige Hilfe und auf Spenden deutscher Patrioten angewiesen. Deshalb richte ich die herzliche Bitte an Sie: Helfen Sie unserer Arbeit durch eine testamentarische Verfügung.

Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung:
per E-Mail: Info@SchulvereinOstpreussen.de
telefonisch: 04384/909

Nils Klatt, 1. Vorsitzender
„Schulverein zur Förderung der Rußlanddeutschen in Ostpreußen e. V.“

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