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Nachrichten des „Schulvereins“ aus Nord-Ostpreußen Nr. 1/2023

Liebe Mitglieder und Freunde unseres Schulvereins,

in Trakehnen geht es wieder einmal weihnachtlich zu. Es werden Grußkarten gemalt und geschrieben, kleine Geschenke werden gebastelt, ein Tannenbaum wird aufgestellt, und die Schule erstrahlt im weihnachtlichen Glanz. Wie schon die Jahre zuvor lassen wir nachfolgend wieder Rita Mantei, die Schulleiterin unserer „Deutschen Schule Trakehnen“, selbst berichten:

Schulleiterin Rita Mantei
Schulleiterin Rita Mantei bei der Unterrichtsvorbereitung

Zur Zeit unterrichte ich Deutsch in vier Gruppen: Gruppe 1 besteht aus erwachsenen Menschen ab 18 Jahren, in Gruppe 2 sind die Schüler der 9. und 10. Klasse, Gruppe 3 besteht hauptsächlich aus Kindern der 5 und 6. Klasse, und in der 4. Gruppe sind die Kleinen so etwa ab der 3. Schulklasse der russischen Regelschule. Kleinere, noch nicht schulpflichtige Kinder sind in der „Deutschen Schule“ natürlich auch immer willkommen, um zu basteln, zu backen, zu singen und zu spielen.

Aber ich habe die Erfahrung gemacht und mich auch mit den Eltern darüber ausgetauscht, daß es für die Schulanfänger zu schwierig ist, Russisch und Deutsch gleichzeitig lesen und schreiben zu lernen. Dabei geht zu Vieles durcheinander. Es kostet die Kinder zu viel Kraft, die einzelnen Perlen deutscher Unterrichtseinheiten korrekt aneinanderzureihen. Wir wollen nicht, daß die Kleinen mit so viel Druck lernen müssen, daß sie keinen Spaß mehr an der schönen deutschen Sprache haben. Also fangen wir mit dem eigentlichen Deutschunterricht erst an, wenn die Kinder schon Russisch lesen und schreiben gelernt haben.

Während die Größeren schon Deutschunterricht haben…
…lernen die Kleinen durch Malen, Singen und Spielen Deutsch.

Wir lernen Deutsch zu lesen und zu schreiben, erarbeiten uns einen deutschen Wortschatz und üben erste grammatikalische Regeln. Ich versuche in meinem Unterricht immer, auf die jeweiligen Kinder einzugehen und den Unterricht interessant zu gestalten, so daß die Kinder im Idealfall gar nicht merken, daß wir gerade Deutschunterricht machen. Die Unterrichtsvorbereitung braucht daher mehr Zeit, als der eigentliche Unterricht. Ich halte das jedoch für wichtig und nehme die Vorbereitung daher sehr ernst. Ich denke, der Erfolg gibt mir Recht, denn in den Gruppen 1 bis 3 läuft der Unterricht stabil, und es werden gute Ergebnisse erreicht. Die Schüler kommen regelmäßig und gerne in die Schule.

Der Deutschunterricht der Jugendlichen ist gut besucht.

Bei den Erwachsenen gibt es im Moment nur eine einzige Gruppe. Einige unserer erwachsenen Schüler haben in den Jahren zuvor immer gerne an den Prüfungen des Goethe-Institutes in Königsberg teilgenommen, um je nach Ziel die Zertifikate A1, A2 oder B1 zu erlangen. Die meisten auch mit Erfolg. Aber in letzter Zeit ist es dort ruhiger geworden und somit auch an unserer „Deutschen Schule“, da das deutsche Generalkonsulat in Königsberg geschlossen ist. Es werden dort keine Sprachkurse mehr angeboten und keine Prüfungen abgelegt. Dafür müßte man zur Zeit nach Moskau reisen. Und das ist für die meisten doch zu weit weg.

Nach dem Unterricht wird gemeinsam gegessen und Tee getrunken.

Im Moment dreht sich alles um die Vorbereitungen zu unserer diesjährigen Schul-Weihnachtsfeier. Leider wird es in diesem Jahr keine Theater-Aufführung geben. Wir suchen schon seit ein paar Monaten eine neue qualifizierte Lehrkraft für Musik, Tanz und Kunst. Auch andere Schulen haben Schwierigkeiten damit, geeignete Lehrkräfte zu finden. Die wenigen Lehrer, die es gibt, zieht es leider eher in die Großstadt. Somit möchte ich wieder einmal meine herzliche Bitte an Sie alle, liebe Freunde und Förderer unseres „Schulvereins“ richten:

Wenn Sie sich die lange Anreise nach Trakehnen zutrauen und ein wenig kreativ und künstlerisch begabt sind, so scheuen Sie sich bitte nicht, Kontakt zu uns aufzunehmen. Wir brauchen nicht nur ausgebildete Lehrkräfte, sondern auch begabte Laien, die sich zum Beispiel für drei Wochen engagieren möchten, sind herzlich willkommen. Sollte jemand Interesse haben, für ein ganzes Jahr oder länger zu uns nach Trakehnen überzusiedeln und uns in der Schule zu helfen, bitten wir erst recht dringend um Kontaktaufnahme!

Alle zum Spielen nach Draußen! Die Größeren helfen den Kleinen beim Anziehen.

Dies sind nur kleine Auszüge aus dem Bericht von Frau Mantei. Die „Deutsche Schule“ prägt das Alltagsleben in Trakehnen nun schon seit über 30 Jahren. Sie ist zu einer Institution und zu einem Treffpunkt geworden – Kinder und Erwachsene kommen nach wie vor begeistert in die Schule; ehemalige, nun erwachsene Schüler kehren bei ihren Heimatbesuchen in Trakehnen immer gerne in unserer kleinen Schule ein und freuen sich, alte und neue Gesichter zu treffen und Deutsch zu sprechen; Kinder und Enkel von ehemaligen Schülern kommen in die Schule und sind genauso begeistert wie ihre Eltern und Großeltern, hier die deutsche Sprache, die deutschen Werte und Traditionen kennenlernen und erleben zu dürfen. Und Frau Mantei denkt noch lange nicht ans Aufhören. Solange ihre Gesundheit es zuläßt, wird sie weiter ihr Herzblut für unsere „Deutsche Schule Trakehnen“ geben. – „Liebe Frau Mantei, wir danken Ihnen, daß Sie mit Ihrer Anwesenheit und Ihrem Einsatz seit so vielen Jahren die Beständigkeit deutscher Schulbildung in Trakehnen in so hervorragender Weise gewährleisten.“

Für alle zu backen…
…macht den Kindern großen Spaß.

Liebe Mitglieder und Freunde des „Schulvereins“, bitte helfen Sie uns durch Ihre Weihnachtsspende, dies alles auch weiterhin zu ermöglichen. Sie wissen selber, daß Politik und Medien einen dauerhaften Keil zwischen Deutschland und Rußland treiben möchten. Da kommt es umso mehr darauf an, daß wir auf privater Ebene eine herzliche deutsch-russische Freundschaft hegen und pflegen! Ihre Spende an unseren „Schulverein“ kommt dort an, wo sie wirklich gebraucht wird – in Trakehnen – in der „Deutschen Schule“. Dafür danke ich Ihnen schon vorab von ganzem Herzen!

Der Vorstand des Schulvereins wünscht Ihnen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr 2024! Möge es ein friedliches Jahr werden.

Ihr Nils Klatt
Nils Klatt, 1. Vorsitzender des „Schulvereins“

Den „Schulverein“ im Testament bedenken

Seit 1992 ist unser „Schulverein“ nun schon im nördlichen Ostpreußen tätig und hat dabei geholfen, unseren rußlanddeutschen Landsleuten eine neue Heimat und unserem geliebten Ostpreußen ein Stück seines deutschen Gesichtes zurückzugeben.

Viele treue Mitarbeiter und Unterstützer haben in dieser langen Zeit unsere irdische Welt verlassen. Erfahren haben wir davon meist nur dadurch, daß unsere Rundschreiben mit dem kalten postalischen Vermerk „Empfänger verstorben“ an uns zurückkamen. Viele waren darunter, deren Herz wirklich stark für unsere kleine deutsche Schule im fernen Ostpreußen schlug. Doch vergeblich warteten wir auf ein letztes Zeichen dieser guten Freunde. Oft haben wir uns gefragt, wie es sein kann, daß Menschen unsere Arbeit viele Jahre lang treu mit Spenden unterstützt haben und uns dann bei einer testamentarischen Verfügung völlig vergessen haben? Die Antwort darauf ist eine Frage: Wer denkt schon gerne an den eigenen Tod? Deshalb verfassen die meisten Menschen gar kein Testament. Und da der Tod so gnädig ist, daß er meist überraschend kommt, bleibt der tatsächliche letzte Wille unerfüllt, wenn man ihn nicht rechtzeitig für die Nachwelt aufschreibt.

Ohne öffentliche Mittel ist unser „Schulverein“ allein auf die tätige Hilfe und auf Spenden deutscher Patrioten angewiesen. Deshalb richte ich die herzliche Bitte an Sie: Helfen Sie unserer Arbeit durch eine testamentarische Verfügung.

Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung:
per E-Mail: Info@SchulvereinOstpreussen.de
telefonisch: 04384/909

Nils Klatt, 1. Vorsitzender
„Schulverein zur Förderung der Rußlanddeutschen in Ostpreußen e. V.“

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