Nachrichten des „Schulvereins“ aus Nord-Ostpreußen Nr. 1/2025
Liebe Mitglieder und Freunde unseres Schulvereins,
unsere kleine „Deutsche Schule“ ist und bleibt eine Oase der Völkerverständigung in schwerer Zeit. Der Deutschunterricht wird von den Schülern sehr geliebt, auch wenn die äußeren Umstände alles andere als günstig sind. Unsere Schüler kommen gerne in die „Deutsche Schule Trakehnen“, nicht nur, um die deutsche Sprache zu lernen, sondern auch, weil sie die heimelige Atmosphäre mögen, die Frau Mantei und ihre Kollegen und Kolleginnen in der Schule verbreiten. Sie singen zusammen deutsche Lieder, hören von deutschen Bräuchen und Traditionen und setzen diese selbst in der Schule um, spielen Theater und üben Volkstänze ein. Allerdings hinterlassen der Krieg und die immer länger andauernde politisch angespannte und aufgehetzte Situation Spuren: Rechtliche Vorgaben werden komplizierter, und Lehrkräfte und Familien wandern ab, weil sie sich woanders mehr Lebensqualität erhoffen oder vor Ort keine Arbeit finden usw. Mancher wird auch argwöhnisch beim Betreten unserer Schule beäugt, weil im russischen Fernsehen Deutschland zur Zeit als Hauptgegner Rußlands wahrgenommen wird. Aber – und das ist erstaunlich: Trotz der riesigen Alltagsschwierigkeiten kommen vor allem Kinder, aber auch Erwachsene noch immer gerne und regelmäßig in unsere Schule. Deshalb ist es uns gerade heute wichtig, beständig ein Zeichen der deutsch-russischen Freundschaft und Völkerverständigung zu setzen!
Lesen Sie nun dazu Auszüge aus den Berichten von Schulleiterin Rita Mantei:
Schulleiterin Rita Mantei
Die Kinder schaffen in ihrer Klasse nicht nur Schönheit um sich herum, sondern füllen die Welt auch mit Gutem. Sie werden kreativ und inspirieren sich gegenseitig, erzählen sich verborgene Träume, Wünsche oder kleine Geschichten. Und wir Lehrkräfte versuchen, die Welt durch unsere Arbeit mit den Kindern ein klein wenig besser zu machen. Beispielsweise geht es bei unserem Bastel- und Werkunterricht eben nicht nur um das Basteln und Werken. Wir setzen hier ganz bewußt auf Gruppenarbeit. Die Kinder sitzen zusammen und tauschen Ideen und Wünsche zu den Bastelprojekten aus. Sie verteidigen ihre eigenen Ideen zu verschiedenen Themen wie „Haus des Glücks“, „Weihnachtsbaum“ und „Winterwelt“, und es mangelt natürlich nicht an Argumenten, die ihre eigene Meinung als die beste Option belegen.
Da wir das alles als Lehrkräfte anleiten, hilft dieser Unterricht den Kindern, ihre sozialen Kompetenzen weiterzuentwickeln, damit der Austausch von Meinungen und Argumenten nicht im Streit endet, sondern Kompromisse gefunden werden, die für alle passen. Wir leben heute in einer schwierigen Welt mit vielen trennenden Faktoren. Trennend sind nicht zuletzt auch die allseits präsenten „Smartphones“, die bereits die ganz kleinen Kinder erreicht haben. Es ist nicht einfach, diese Kinder von den eintönigen und einsamen Beschäftigungen am Handy wegzulocken, damit sie erleben können, daß Schaffen in der Gemeinschaft etwas Schöneres, etwas Echtes ist. Mit unserer Arbeit hoffen wir, einen Beitrag dazu zu leisten, die folgende Generation für Verständigung und Kommunikation zu sensibilisieren, damit sie nicht einfach drauflosschlagen, wenn die eigene Meinung von anderen Menschen abgelehnt wird. Würden sich alle Menschen so verhalten, ließen sich Kriege vielleicht in Zukunft verhindern! Für unsere Kinder aber war durch die Absprachen und Verständigungen schon die Vorfreude auf die Bastelarbeiten ein Vergnügen. Und die Ergebnisse können sich ebenfalls sehen lassen. Die Kinder sind sehr stolz auf ihre Arbeiten, und die Schule sieht mit all diesem Schmuck wunderschön aus.
Gemeinsames Schmücken des Weihnachtsbaums
Am letzten Schultag vor Weihnachten werden die Kinder die Arbeiten dann mit nach Hause nehmen und ihren Familien schenken. Auch dafür mußte schon im Vorfeld besprochen und geklärt werden, wer welche Gruppenarbeit mitnehmen darf. Die schönen in Gemeinschaft gefertigten Werke erfüllen die Kinder mit Frieden. Wenn ich mir die Kinder ansehe, habe ich manchmal das Gefühl, daß das Werken und Basteln wie eine geistige Reinigung wirkt. Wieviel Freude und wieviel Wonne!
Bastel- und Werk-Arbeiten der Schüler
Die Kreativität spielt im Bildungsprozeß der Kinder im Allgemeinen eine große Rolle, indem sie zur Persönlichkeitsbildung des Kindes, zur Entwicklung seiner Fähigkeiten, seiner Ausdauer und seiner Zuverlässigkeit beiträgt als auch Kindern ermöglicht, ihre Gefühle auszudrücken und ihren Geschmack, ihre Vorstellungskraft und ihr Denken zu entwickeln.
Dasselbe gilt natürlich jetzt in der Vorweihnachtszeit für alle Projekte, die wir umsetzen. Wir wollen wieder ein Theaterstück einüben und hören und erarbeiten mit den Kindern klassische Musik, zu der anschließend auch getanzt werden soll.
Frau Mantei begeistert ihre Schülerinnen und Schüler für den Deutschunterricht
Für den Deutschunterricht hatte ich mehr Schüler erwartet, aber dadurch, daß es im Moment nur zwei Klassen gibt, habe ich mehr Zeit, mich in anderen Projekten oder wie oben beschrieben auch in der Bastelgruppe mit zu engagieren. Meine Deutschschüler sind alle sehr lernwillig und fleißig, und ich arbeite gerne mit ihnen. Ich sehe und schätze das aufrichtige Engagement meiner Schüler und bin dankbar für das Vertrauen, das sie mir entgegenbringen.
Dies sind nur kleine Auszüge aus den Berichten von Frau Mantei. Wie Sie gelesen haben, ist es nicht einfach, die „Deutsche Schule“ in diesen Zeiten zu leiten. Frau Mantei arbeitet trotz allen Widrigkeiten fleißig und unbeirrt weiter daran, Kinder und Erwachsene für unsere „Deutsche Schule“ zu begeistern. Unsere kleine Schule in Trakehnen ist und bleibt im heutigen Ostpreußen etwas ganz Besonderes und ist eine Institution. Fast jeder kennt die „Deutsche Schule“ in Trakehnen, denn sie besteht nun schon 33 Jahre lang!
Wir, der Vorstand des „Schulvereins“ hier in der Bundesrepublik Deutschland und Schulleiterin Rita Mantei und ihr Kollegium im nördlichen Ostpreußen, lassen uns von Krieg und politisch gewolltem Unruhestiften nicht beirren. Was auch immer für Schwierigkeiten auftauchen. Unsere Devise ist: Wir machen weiter! Wir setzen ein Zeichen für die deutsch-russische Freundschaft und Völkerverständigung – auch und besonders gerade jetzt! Dabei bitten wir Sie, uns tatkräftig mit Ihren Spenden zu unterstützen. Wir brauchen Ihre Unterstützung dringend. Und Sie können sicher sein: Ihre Spende an unseren „Schulverein“ kommt dort an, wo sie wirklich gebraucht wird – in Trakehnen – in der „Deutschen Schule“. Dafür danke ich Ihnen schon jetzt vorab von ganzem Herzen!
Weihnachtliche Bastelarbeiten der Kinder, die mit Begeisterung die Schule geschmückt haben
Ich und mit mir alle Mitarbeiter unseres „Schulvereins“ wünschen Ihnen eine friedliche und besinnliche Vorweihnachtszeit und ein schönes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben!
Ihr Nils Klatt Nils Klatt, 1. Vorsitzender des „Schulvereins“
Den „Schulverein“ im Testament bedenken
Seit 1992 ist unser „Schulverein“ nun schon im nördlichen Ostpreußen tätig und hat dabei geholfen, unseren rußlanddeutschen Landsleuten eine neue Heimat und unserem geliebten Ostpreußen ein Stück seines deutschen Gesichtes zurückzugeben.
Viele treue Mitarbeiter und Unterstützer haben in dieser langen Zeit unsere irdische Welt verlassen. Erfahren haben wir davon meist nur dadurch, daß unsere Rundschreiben mit dem kalten postalischen Vermerk „Empfänger verstorben“ an uns zurückkamen. Viele waren darunter, deren Herz wirklich stark für unsere kleine deutsche Schule im fernen Ostpreußen schlug. Doch vergeblich warteten wir auf ein letztes Zeichen dieser guten Freunde. Oft haben wir uns gefragt, wie es sein kann, daß Menschen unsere Arbeit viele Jahre lang treu mit Spenden unterstützt haben und uns dann bei einer testamentarischen Verfügung völlig vergessen haben. Die Antwort darauf ist eine Frage: Wer denkt schon gerne an den eigenen Tod? Deshalb verfassen die meisten Menschen gar kein Testament. Und da der Tod so gnädig ist, daß er meist überraschend kommt, bleibt der tatsächliche letzte Wille unerfüllt, wenn man ihn nicht rechtzeitig für die Nachwelt aufschreibt.
Ohne öffentliche Mittel ist unser „Schulverein“ allein auf die tätige Hilfe und auf Spenden deutscher Patrioten angewiesen. Deshalb richte ich die herzliche Bitte an Sie: Helfen Sie unserer Arbeit durch eine testamentarische Verfügung.